Assassin’s Creed: Syndicate

Assassin’s Creed: Syndicate Review
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Nachdem uns Ubisoft im vergangenen Jahr mit Assassin’s Creed: Unity einen nicht so ganz gelungenen Teil der beliebten Reihe herausgebracht hat, waren einige Fans bei Assassin’s Creed: Syndicate eher skeptisch.

Von Frankreich, dem Schauplatz des letzten Assassin’s Creed begeben wir uns über den Kanal, genauer gesagt nach England. In Assassin’s Creed: Syndicate kämpfen wir uns nämlich durch das viktorianische London des 19. Jahrhunderts, eine Zeit der industriellen Revolution. Dieses Mal verkörpern wir zudem nicht nur einen Assassinen, sondern können beliebig zwischen den Zwillingen Jacob und Evie Frye wechseln.

Die Geschichte führt die Zwillinge zwar gemeinsam nach London, doch vor Ort gehen sie beide mehr oder weniger ihren eigenen Zielen nach. Während Jacob eine Gang in London aufbaut und gegen die Banden der Templer antritt, um sie so zu schwächen, verfolgt Evie die Spur eines Edenspliters, den mystischen Artefakten der Ersten Zivilisation. Das heißt, dass die Hauptmissionen des Spiels abwechselnd mit beiden Charakteren gespielt werden, die nicht nur unterschiedliche Ziele verfolgen, sondern sich auch gänzlich verschieden spielen. So ist Jacob mehr der “Haudrauf”-Typ und Evie die Stealth-Expertin. Das spiegelt sich auch im Skill-Tree wieder, den wir auch schon aus dem Vorgänger kennen. Beide Charaktere verfügen weitestgehend über dieselben Fähigkeiten, haben jedoch auch jeweils drei besondere Fähigkeiten, die der andere nicht erlernen kann. Bei Jacob sorgen diese Skills für mehr Wucht im Kampf, wohingegen Evie noch besser gegenüber Feinden getarnt ist und ihre Wurfmesser diese auch effizienter ausschalten. Im Gegensatz zu Unity ist der komplette Skill-Tree von Anfang an zugänglich, sodass ihr lediglich Skill-Punkte (ihr erhaltet einen Punkt für jede 1000 Erfahrungspunkte) investieren müsst. Nachdem ihr eine bestimmte Anzahl an Punkten investiert habt, steigt ihr zudem ein Level auf. Euer Level ist ein guter Indikator, um zu sehen, wie ihr im Kampf gegen Feinde besteht, deren Level ihr mithilfe des Adlerauges erkennen könnt.

Assassins Creed: Synicate im Test

Das Kämpfen an sich ist in Syndicate noch mal verbessert worden. Zwar müsst ihr immer noch den Angriffen eurer Gegner ausweichen und rechtzeitig kontern, aber generell wirkt das System noch ausgeklügelter als vorher. Vor allem gegen stärkere Gegner, wie die neu eingeführte Polizei, ist es ratsam nicht einfach die Vierecktaste (bzw. den X-Knopf) zu mashen, sondern abzuwarten, bis euer Gegenüber den ersten Zug macht. Auch verbessert sind die Finisher, die eindrucksvoller und brutaler als jemals zuvor sind, besonders, wenn ihr gleich mehrere Gegner auf einmal ausschaltet. Natürlich gibt es auch wieder diverse Möglichkeiten um offene Kämpfe zu vermeiden. Beispielsweise durch Wurfmesser, Berserkerbolzen (die eure Gegner aufeinander losgehen lassen), Rauch- oder die Galvanibomben, eine Erfindung von eurem guten Freund Graham Bell, die alle eure Feinde elektrifizieren und paralysieren. Im Hinblick auf die Waffenauswahl gibt es dieses Mal zwar weniger, als noch in Unity, aber das stört zu keinem Zeitpunkt. Jacob und Evie haben die Wahl zwischen Kukri-Schwertern, Gehstockschwertern und Schlagringen. Zwar kann jeder der Charaktere alle diese Waffen mit sich führen, doch es scheint beabsichtigt zu sein, dass Evie hauptsächlich den Gehstock benutzt, während Jacob eine der anderen beiden Optionen wählt. Doch am Ende bleibt das natürlich dem Spieler überlassen.

In den Strassen von London unterwegs

Neben dem bereits erwähnten Graham Bell begegnet ihr in Syndicate weiteren wichtigen Persönlichkeiten der Geschichte. So helft ihr Karl Marx, Charles Dickens, Arthur Conan Doyle und Florence Nightingale, um ein paar Beispiele zu nennen. Aber auch eure Widersacher, aufseiten der Templer, sind alle echten Personen nachempfunden, was seit jeher eine Begebenheit der Spieleserie ist. Die Attentate auf diese Ziele verübt ihr, wie auch schon beim Vorgänger eingeführt, auf eure persönliche Art und Weise. Bevor die jeweilige Mission beginnt, bekommt ihr verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, die euch an euer Ziel heranbringen. So könnt ihr beispielsweise eine Wache gefangen nehmen, Baupläne stehlen, einen Sicherheitsdirektor ausschalten oder für Ablenkung sorgen. Auch gibt es jedes Mal eine Möglichkeit für ein “einmaliges Attentat”. Dabei handelt es sich meistens um ein besonderes Attentat, bei dem ihr euch versteckt und näher an euer Ziel rankommt, als sonst. Die Ausführung ist nicht nur sehr spektakulär, sondern auch meistens die interessanteste Option. Natürlich bleibt es euch aber auch offen einfach in die Sperrgebiete zu stürmen und alle Feinde und euer Ziel mit eurer Waffe auszuschalten.

Eine hilfreiche Neuerung um in Sperrgebiete einzudringen ist der neue Seilwerfer, der stark an den Grapplehook von Batman erinnert. Ihr visiert einfach ein Ziel an und schon schießt ein Seil in die Richtung und ihr könnt euch Wände hochziehen oder große Abstände überwinden. Nie war das Klettern in Assassin’s Creed so leicht und angenehm, wie damit. Ebenfalls neu ist das Aufkommen von Kutschen und dem Zugverkehr. Während ihr in vorherigen Spielen noch zu Pferd unterwegs wart, könnt ihr dieses Mal ganze Kutschen entführen und auch von einem Pferdegespann zum Nächsten springen. Wenn euch das noch nicht reicht, dann könnt ihr auch auf die Schienen wechseln. Springt von Zugwaggon zu Zugwaggon, koppelt diese ab und genießt Kämpfe auf den Dächern. Zuletzt muss auch noch der Schiffverkehr auf der Themse erwähnt werden. Der komplette Fluss ist übersäht mit Frachtern, die ihre Güter von A nach B transportieren und euch damit eine Art fahrende Brücke bauen, um von einer Seite auf die andere zu kommen. Das erinnert in der Praxis etwas an Frogger, nur dass euch die Schiffe nicht töten, sondern lediglich vor sich herschieben, solltet ihr vor eines geraten.

Assassins Creed: Syndicate im Computerspiele Test

Nur wenige Bugs, dafür aber ein schmutziges London

Am Ende möchte ich noch mal auf ein Thema eingehen, dass wahrscheinlich die Meisten interessiert. Hat das Spiel viele Bugs? Nein, nicht viele, ein paar sind dennoch zusammengekommen. Assassin’s Creed: Syndicate ist ein Spiel mit einer riesigen offenen Welt, in der zig verschiedene Dinge gleichzeitig passieren. Kutschen fahren über die Straßen, Züge auf den Schienen, Schiffe auf der Themse und ihr seid mittendrin. Es ist normal, dass zwischendurch ein paar Bugs auftreten. Der Vorgänger war zum Release so verbuggt, dass viele Spieler von einem “unspielbaren Titel” sprachen – das ist bei Syndicate definitiv nicht der Fall.

Das Spiel sieht super aus, der Sound ist klasse. Es wirkt alles sehr realistisch und authentisch. Die überfüllte Themse, die Kluft zwischen Arm und Reich, die Gangs, das Aufkommen des Zugverkehrs, die Fabriken mit Kinderarbeitern. An jeder Ecke gibt es gefühlt Neues zu sehen, wenn der Smog gerade nicht so stark ist, denn auch das gehört schließlich zum London der Zeit dazu. Dazu kommt ein toller Soundtrack mit verschiedenen Stücken, für verschiedenste Situationen.

Assassin’s Creed: Unity war der Titel, der letztes Jahr viele eingefleischte Fans der Serie zweifeln ließ, ob ein jährlicher Releasezeitraum vielleicht nicht doch die falsche Entscheidung ist.  Die Geschichte von den Zwillingen Jacob und Evie Frye spielt sich spannend, erfrischend und macht von Anfang bis Ende sehr viel Spaß. Zwar gibt es hier und da ein paar kleine Bugs, wie in vielen Open-World-Spielen, doch nichts, dass das Spielgeschehen nachgiebig beeinflussen würde. Ubisoft hat ebenfalls aus dem Fehler mit den Mikrotransaktionen gelernt und diese zu einem optionalen Spielhelfer gemacht, der für diejenigen praktisch ist, die wenig Zeit haben und trotzdem alles erreichen möchten. Die Missionen und Nebencharaktere sind interessant und vielfältig und vor allem Gangsystem sorgt für viel Spielspaß.

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