PC Spiele Klassiker Mafia Definitive Edition


Mafia: Definitive Edition im Test

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Zusammenfassung: Im Test von Mafia: Definitive Edition stellen wir fest, dass den Entwicklern von Hangar 13 ein hervorragendes Remake des achtzehn Jahre alten Klassikers gelungen ist. Mit einer guten Balance aus Modernisierung und Treue zum Original ist die Definitive Edition ein Action-Adventure für Neueinsteiger und Kenner des Originals.

Inhaltsverzeichnis

Remake eines Klassikers

Wenn man sich als Spieleentwickler an ein Remake eines Klassikers wagt, kann man eigentlich nur verlieren. Weicht man zu sehr vom Original ab, beschweren sich die Fans der ersten Stunde, die nicht mehr das von früher gewohnte Spielerlebnis bekommen. Hält man sich dagegen zu sklavisch an die Vorlage, verschreckt man vermutlich neue Spieler, die mit veraltetem Gamedesign nichts anfangen können. Es war daher auch für die Macher von Hangar 13 die Aufgabe für Mafia: Definitive Edition (jetzt bei Amazon kaufen) die richtige Balance zwischen diesen beiden Extremen zu finden.

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Nun hatte sich Hangar 13 vor einigen Jahren aber nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, als Mafia 3 mit diversen technischen Problemen zu kämpfen hatte und zudem für sein repetitives Spieldesign kritisiert wurde. Aber jeder verdient eine zweite Chance und die Entwickler aus dem kalifornischen Novato haben sie genutzt. Das Remake von Mafia ist technisch rund und fasziniert erneut, wie schon das Original vor 18 Jahren, mit seiner fantastischen Geschichte. Und das nicht nur trotz, sondern gerade wegen, mutiger Veränderungen und Modernisierungen.

Zwischen Loyalität und Moral

Wir schreiben das Jahr 1938, Thomas Angelo ist ranghohes Mitglied der Mafia-Familie von Don Salieri. Aber Tommy hat ein Problem. Er hat sich seine eigene Familie zum Feind gemacht und sucht einen Weg seine Frau und Tochter vor dem Zorn des Dons zu schützen. Also vertraut er sich einem Detective der Polizei an und erzählt diesem seinen Werdegang. So beginnt die Erzählung, in der ihr erlebt wie Tommy vom einfachen Taxifahrer zu einem respektierten Mitglied der ehrenwerten Familie aufsteigt.

Schon im Original gelang es den Autoren eine intelligente Geschichte zu erzählen, in der es trotz spaßigem Action-Gameplay nicht darum geht, Gewalt und organisierte Kriminalität zu verherrlichen. Tommy ist ein durchschnittlicher Typ, der damit hadert sich auf Gangster einzulassen. Die Umstände treiben ihn aber auf diese Bahn. Auch wenn er schließlich immer mehr in das Leben als Mafiosi hineinwächst, so spürt man doch auch immer wieder seine inneren Zweifel. Diese Aspekte der Geschichte haben die Entwickler von Hangar 13 im Remake noch deutlicher herausgearbeitet.

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Durch erweiterte Zwischensequenzen und Dialoge wird das Bild eines tiefgründigen Charakters gezeichnet. Ein Kerl der schon mal davor zurückschreckt, jemanden kaltblütig abzuknallen und zum Beispiel generell Hemmungen hat Gewalt gegen Frauen auszuüben. Um diese moralisch vielschichtige Story zu erzählen, geben die Entwickler auch einigen Figuren mehr Gewicht und Persönlichkeit. So wird zum Beispiel die Rolle von Tommys Frau Sarah deutlicher hervorgehoben, die als sein moralischer Kompass dient. Das alles gelingt den Machern, ohne dabei die Grundessenz der ursprünglichen Geschichte zu beeinträchtigen.

Lineare Open-World

Unverändert haben die Entwickler auch den allgemeinen Aufbau des Spiels gelassen. Zwar spielt sich alles in der offenen Spielwelt von Lost Heaven ab, aber der Ablauf ist stickt linear, ohne irgendwelche Freiheiten. Zwischensequenzen, Action-Passagen und Autofahrten wechseln sich in einer harmonischen Taktung ab, so dass eigentlich nie Langeweile aufkommt. Vor allem da die Entwickler einige der Durchhänger des Originals, wie zum Beispiel die Taxi-Missionen kurz nach Spielstart, erfreulich komprimiert haben.

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Dass das Spiel einem kaum Zeit gibt vom vorgegeben Pfad abzuweichen, ist auch nicht weiter schlimm. Denn Abseits der eigentlichen Handlung gibt es in der offenen Spielwelt nicht wirklich viel zu tun. Zwar sind in Lost Heaven diverse Sammelgegenstände wie Comics, Groschenromane und Zigarettenbildchen versteckt, aber Nebenaufgaben, Minispiele oder sonstige Beschäftigungen, wie man sie aus modernen Open-World-Spielen kennt, sucht man hier vergebens.

Wer dennoch auf Entdeckungstour durch die hübsch gestaltete Stadt gehen will, kann das im sogenannten "Freie Fahrt"-Modus machen. Hier kann man sich in Ruhe die diversen Sehenswürdigkeiten anschauen. Kenner des Originals werden zudem diverse Veränderungen bei einigen Details der Stadtplanung feststellen. So hat Salieris Bar einen leicht veränderten Standort, die Rennstrecke ist etwas näher an die Stadt herangerückt und auch im Umland wurde einige Anpassungen vorgenommen. Das grundlegende Straßenlayout ist aber nach wie vor erkennbar. Leider haben die Entwickler aber nicht den "Freie Fahrt Extrem"-Modus aus dem Original übernommen. Dieser wurde seinerzeit nach dem erstmaligen Durchspielen der Geschichte zugänglich und bot diverse unterhaltsame Bonusaufträge, in denen sich unter anderem spezielle Fahrzeuge freischalten ließen.

Video Trailer

Klassisch Herausfordernd

Viel Mühe haben sich die Entwickler dafür gegeben, das Spiel auf allen Ebenen zugänglich zu machen, ohne aus den Augen zu verlieren, dass erfahrene Spieler eher eine Herausforderung suchen. Daher lässt sich das Spiel auf vielfältige Weise an die eigenen Spielbedürfnisse anpassen. Zielhilfen, Tutorials und Kameraeinstellungen sind da nur der Anfang. Zum Spielstart besteht die Auswahl aus vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Leicht, Mittel und Schwer unterscheiden sich in der Schwierigkeit der Gegner, in der eigenen Überlebensfähigkeit und der Aggressivität der Polizei.

Wer gegenüber dem Original die wenigsten Abstriche machen möchte, wählt dagegen den klassischen Modus. Hierbei sind Fahrzeugsteuerung und Polizeiraktion auf Simulation geschaltet und die Gegner sind noch ein wenig tödlicher. Außerdem werden hilfreiche Anzeigen im Interface reduziert. So werden zum Beispiel Feinde nicht mehr auf der Minimap dargestellt. Dass die Entwickler es mit der klassischen Einstellung ernst meinen, wird spätestens beim berüchtigten Autorennen deutlich. Während diese Mission auf normalem Schwierigkeitsgrad eine angenehm schaffbare Herausforderung darstellt, war bei uns im klassischen Modus sehr schnell das von damals bekannte Frustlevel erreicht. Die Gegner fahren gnadenlos, das Auto ist schwer zu beherrschen und einmal eingehandelter Rückstand kaum noch aufzuholen. Durch die von fünf auf drei reduzierte Anzahl der zu fahrenden Runden, wurde das Problem sogar noch verschärft, weil weniger Zeit ist, um eventuelle Fehler auszubügeln.

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Auf der anderen Seite profitiert man im klassischen Modus bei anderen Gelegenheiten aber auch von den Änderungen am Gameplay. In den intensiven Gefechten, wo nach Möglichkeit jeder Treffer durch Gegner vermieden werden sollte, hilft es, dass Tommy jetzt geschmeidig hinter Objekten in Deckung gehen kann. So kann man sich im Schutz einer Mauer oder eines Pfeilers mal kurz erholen oder in Ruhe nachladen. Wenn es ganz brenzlig wird, kann man sogar sein Glück beim blinden feuern aus der Deckung versuchen. Allerdings sollte man dabei auch darauf achten, was die Gegner machen. Sie versuchen gelegentlich in Tommys Flanke zu gelangen, oder ihn mit Molotov-Cocktails aus seiner Deckung zu locken. Aber egal ob normaler oder klassischer Schwierigkeitsgrad, die Auseinandersetzungen sind stets packend und intensiv in Szene gesetzt.

Alles Neu für Augen und Ohren

Zum Einsatz kommt dabei die gleiche Engine, die Hangar 13 bereits in Mafia 3 verwendet hat. Der Grafikmotor wurde seitdem aber erweitert und verbessert. Vor allem wurden seine technischen Unzulänglichkeiten ausgemerzt. Litt Mafia 3 noch unter unschönen Glitches, Clipping-Fehlern und Pop-Ups, konnten wir solche Probleme in Mafia: Definitive Edition kaum noch beobachten. Neue Maßstäbe in der optischen Präsentation setzt das Spiel zwar nicht, aber mit herrlicher Lichtstimmung, tollen Wassereffekten und guten Motion-Capture-Animationen erzeugt das Spiel eine gelungene 30er-Jahre-Atmosphäre. Glücklicherweise blieben wir auch von Abstürzen verschont, die in Mafia 3 noch an der Tagesordnung waren.

Nicht sehen, aber dafür hören lassen kann sich die Soundkulisse von Mafia: Definitive Edition. Für das Remake haben die Entwickler dabei im Grunde alles neu aufgenommen. Das beginnt schon bei der Vertonung, die schon aufgrund des veränderten Scripts neu eingesprochen werden musste. Dabei kommen sowohl in der englischen als auch der deutschen Fassung nicht die gleichen Sprecher wie im Original zum Einsatz. Das tut der Qualität aber keinen Abbruch. In beiden Sprachversionen waren wir mit der Arbeit der Schauspieler sehr zufrieden. Toll auch, dass bei der deutschen Vertonung zumindest soweit möglich auf Lippensynchronität geachtet wurde.

Spielszene Mafia: Definitive Edition

Die orchestrale Musikuntermalung, die ursprünglich aus der Feder von Vladimir Simunek stammt, wurde ebenfalls aufwendig neu aufgenommen. Hinzu kommen 35 klassische Musikstück von Künstlern der damaligen Zeit wie Duke Ellington, die in den beiden Radiosendern von Lost Heaven zu hören sind. Leider handelt es sich dabei nicht um die gleiche Musik, wie sie Fans des Original gewohnt sind. Das hat lizenzrechtliche Gründen, aus denen auch schon die 2017 veröffentlichten Steam- und GOG-Versionen des Original ohne die Radiomusik auskommen mussten. Die neuen Stücke erledigen aber einen mindestens genauso guten Job, um uns in das Flair der 30er-Jahre zu versetzen.

Mafia: Definitive Edition ist ein hervorragendes Action-Adventure, das den Klassiker auf hervorragende Weise in die Moderne bringt und sowohl Neueinsteiger als auch Kenner des Originals begeistern wird. Die Story um Loyalität, Moral und Tragik fasziniert heute umso mehr, da sie noch eindringlicher inszeniert ist. Sogar Open-World-Muffel sollten dem Spiel eine Chance geben, denn es verzichten auf all den Ballast, der offene Spielwelten sonst plagt. Erhältlich ist das Remake als Einzeltitel jetzt zum Preis von 39,99 Euro bei Amazon bestellen sowie als Teil der sogenannten Mafia Trilogy. Diese enthält zusätzlich auch Mafia 2 in der Definitive Edition sowie Mafia 3 mit allen DLCs und ist zum Preis von rund 60 Euro erhältlich.

Spieltipps für Mafia: Definitive Edition

Meinung und Wertung

Man hätte bei einem Remake von Mafia relativ viel versemmeln können, die Entwickler von Hangar 13 haben aber zum Glück sehr viel richtig gemacht. Das Original ist 18 Jahre her, bei vielen also vermutlich nur noch in einer verklärten Retro-Erinnerung erhalten. Und genau da setzt die Definitive Edition an, in dem es uns ein Mafia liefert, wie man es sich als modernes Action-Adventure vorstellen würde. Klar kann es mit modernen Open-World-Genre-Vertretern vom Kaliber eines GTA oder Watch Dogs nicht mithalten, was Umfang und Spielaktivitäten angeht. Aber das will es auch gar nicht. Mafia will eine Geschichte erzählen, eine Geschichte über Familie, Freundschaft, Moral und Tragik, und das gelingt dem Spiel in exzellenter Weise. Die Veränderungen am Script, die die Macher vorgenommen haben, sind dabei kein Störfaktor, sondern tragen hervorragend noch zusätzlich zur Dramatik bei. Es muss nicht immer mehr, höher, weiter, besser sein, wie es im Open-World-Wahn der heutigen Zeit der Standard zu sein scheint. Ein stimmiges Spielerlebnis, das sich auf das wesentliche konzentriert, hat auch seine Reize. Mafia: Definitive Edition liefert mir genau das mit Bravour.



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