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Spellforce 3: Fallen God im Test

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Zusammenfassung: Ihr mochtet Spellforce 3, habt Soul Harvest durch und wollt noch mehr? Dann schaut euch Fallen God an: Das zweite eigenständige Add-on kommt mit einer frischen, umfangreichen Story-Kampagne, die erstmals die Trolle ins Rampenlicht rückt. Im Test zu Spellforce 3: Fallen God klären wir, ob sich die Entwickler damit nochmal steigern können.

Inhaltsverzeichnis

Zweiter Anlauf

Wer vom Pferd fällt, sollte gleich wieder aufsteigen. Ein altes Sprichwort, in dem Wahrheit steckt, das haben zumindest die Entwickler von Grimlore Games eindrucksvoll bewiesen. Mit Spellforce 3 legten die Münchner nämlich erst mal eine glatte Bauchlandung hin, der Strategie-Rollenspiel-Mix kam mit horrenden Bugs auf den Markt und rasselte in unserem ersten Test ordentlich durch. Doch das Team gab nicht auf: Patches über Patches sollten folgen, die aus Spellforce 3 schließlich doch noch ein gutes Spiel zauberten. Zuversichtlich machte sich das Team danach gleich wieder ans Werk und entwickelte die erste Standalone-Erweiterung Soul Harvest, die dank vieler Verbesserungen auch in unserem Test prima abschnitt. 

Nun erscheint mit Fallen God die zweite, eigenständig lauffähige Erweiterung, inklusive frischer Kampagne und brandneuer Fraktion. Gleichzeitig wird auch das Geschäftsmodell umgekrempelt: Mit Spellforce 3 (jetzt kaufen 52,73 € /44,99 € ): Versus Edition wird der Strategie-Rollenspiel-Hybride erstmals auch als reine Mehrspieler-Version auf Free2Play-Basis angeboten. Im Test klären wir, ob sich die ganzen Mühen ausgezahlt haben.

Eigenständige Story

Fallen God erzählt eine kleinere Geschichte als seine Vorgänger, es geht ausnahmsweise mal nicht um die Rettung der Welt und auch die alten Helden lassen sich nicht blicken. Im Zentrum stehen diesmal die sogenannten Mondgeborenen, ein vertriebener Trollstamm, den wir in eine neue Heimat führen und von einem Fluch heilen sollen. Zu diesem Zweck muss ein uralter, zerstückelter Halbgott wiederhergestellt werden, die Suche nach seinen Körperteilen zieht sich als roter Faden durch die Hauptquestreihe. Damit knüpft die Geschichte von Fallen God zwar nicht direkt an die Vorgänger an, doch ein paar Vorkenntnisse können trotzdem nicht schaden: Wie schon in den letzten beiden Spielen feuern die Autoren eine solche Ladung an Namen, Orten und Begriffen ab, dass der Einstieg mitunter schwer fällt. Das zähe Erzähltempo trägt seinen Teil dazu bei: Es gibt wieder Unmengen an optionalen Gesprächen und Wiederholungen, außerdem gehen viele Sprecher so bedächtig ans Werk, dass man die Texte längst gelesen hat, bevor sie fertig gesprochen wurden. Gewöhnungsbedürftig: Die Trolle reden von sich grundsätzlich in der dritten Person, beginnen ihre Sätze am liebsten mit einem ausgedehnten "Hmmm…" und auch so manche Sprüche ("Bei Tiaras Titten!") wirken eher peinlich als stimmungsvoll. Hier wiederholen die Entwickler leider einige Fehler aus den Vorgängerspielen. In gewisser Weise scheint ihnen das sogar bewusst zu sein: Wer 100 Dialoge überspringt, erntet dafür nämlich prompt ein Achievement. 

Zu viert spielt es sich besser

Anders als in den beiden Vorgängern steuern wir diesmal ein festgelegtes, vierköpfiges Troll-Team, das uns durch das komplette Spiel begleitet. Wir stellen unsere Party also nicht selbst zusammen, dürfen aber zum Start einige Talentbäume und Klassenschwerpunkte festlegen. Jeder Troll hat eine Besonderheit, beispielsweise kann Häuptling Akrog an bestimmten Orten Geistererscheinungen beschwören, der alte Grungwar Graupelz stärkt seine Party mit Buffs und der verbitterte Zazka Kleinzahn zwängt sich durch enge Durchgänge und erreicht so verborgene Bereiche. Am besten gefällt uns aber der vierte Begleiter Noag Mondblut, ein junger, einfältiger Troll, der Barrieren zerdeppern und im Kampf massig Schaden wegstecken kann. Noag stellt uns im Spielverlauf immer wieder Fragen zu unseren Entscheidungen – je nach Antwort werden in seinem Talentbaum dann unterschiedliche Upgrades und Boni freigeschaltet. Ein netter Einfall, der Story und Gameplay sinnvoll miteinander verzahnt.

Bewährtes neu verpackt

Am Grundkonzept von Spellforce 3 ändert sich natürlich nichts: Im Verlauf der Fallen-God-Kampagne bereisen wir unterschiedliche, wunderhübsch gestaltete Maps, auf denen Rollenspiel und Echtzeit-Strategie fließend ineinander übergehen. Für sich betrachtet sind zwar beide Anteile nicht wirklich tiefgängig, aber in Spellforce gilt schließlich schon immer: Die Mischung macht's! So ist man eben noch auf einer Karte unterwegs, in der man eine große Verteidigungsschlacht an mehreren Fronten schlagen muss, nur um dann im nächsten Moment einen unterirdischen Tempel zu erkunden, in dem wir unsere Party durch Zeitportale schicken und kleine Rätsel müssen. Obwohl viele Gegnertypen und Ideen aus den beiden Vorgängerspielen übernommen wurden, bekommt man für gerade mal 25 Euro also wieder einiges geboten.

Die RPG-Kämpfe mit der Vier-Troll-Party spielen sich anfangs zwar etwas zäh, das gibt sich aber, sobald man bessere Ausrüstung und ein paar Skills freigeschaltet hat. Letztere werden wie gewohnt mittels Ringmenü oder einer Schnellauswahl ausgelöst, das ist vor allem in den unübersichtlichen Massenschlachten, aber auch in den Bosskämpfen praktisch, die immer wieder für kleine Highlights sorgen.

Video-Trailer

Jetzt kommt die Strategie

Der Strategie-Part bleibt unverändert: Viele Maps sind in Sektoren unterteilt, die wir zunächst erobern und mit Stützpunkten besetzen müssen. Anschließend bauen wir Holz und Stein ab, sammeln Nahrung und beginnen damit, Einheiten auszubilden. Das spielt sich simpel, da die Baureihenfolge immer gleich bleibt. Die Trolle verlangen außerdem nach zwei einzigartigen Ressourcen, Kram und Opfergaben. Beide werden mithilfe eines Gebäudes und ein paar Sammlern automatisch erzeugt, ohne dass man dafür irgendetwas tun oder gezielt expandieren müsste. Einfach bauen und hinstellen, schon braucht man sich nie wieder darum zu kümmern.

Bei der Truppenausbildung muss man allerdings umdenken, denn die ist in Fallen God etwas umständlich geraten: Alle Trollkämpfer basieren auf zwei Basiseinheiten, die im Haupthaus oder in einer Kämpferhütte ausgebildet werden. Diese Truppen schickt man anschließend in drei unterschiedliche Ausbildungslager, um sie zu spezialisieren. So wird aus einem einfachen Axtschwinger beispielsweise ein kampfstarker Krieger. Schickt man den nun ein weiteres Mal ins Trainingslager, verwandelt er sich in einen zähen Fleischberg, der Belagerungsschaden austeilt. Auf die gleiche Weise verfahren wir auch mit Fernkämpfern, Lufteinheiten und Magiern, was unnötig Zeit und Klicks kostet, bis man eine große Armee aufgestellt hat. Bei bis zu fünf beteiligten Gebäuden verliert man auch die Ressourcenkosten schneller aus dem Blick als bei anderen Völkern. Alles in allem: eher umständlich als intuitiv.

Beute und Upgrades

Davon abgesehen spielt sich Fallen God aber ziemlich komfortabel, schließlich hat man das verbesserte Interface und die vielen Einstellungsmöglichkeiten aus Soul Harvest praktisch unverändert übernommen. Dadurch bleiben allerdings auch einige Altlasten erhalten, etwa das Fehlen einer Autocast-Funktion, mit denen Truppen ihre Spezialkräfte automatisch einsetzen können. Das betrifft auch die magischen Einheiten, die Leichen verzehren müssen, um stärker zu werden – hier wird leider erst auf Knopfdruck gefuttert. Auch die teils winzigen Hotspots für Schätze, die in den detailverliebten Umgebungen gerne mal untergehen, kennen wir schon aus den Vorgängern. Man muss die Kamera also wieder häufig drehen und die Maps genau absuchen, wenn man keinen Schatz verpassen will.

Und das sollte man auch nicht, schließlich müsst ihr eure Helden regelmäßig mit neuen Waffen, Rüstungen und Schmuck ausstatten, damit sie in den Kämpfen eine Chance haben. Da die hochgewachsenen Trolle aber mit normalen Schwertern, Rüstungen und Helmen nix anfangen können, ist der Großteil der Beute für sie unbrauchbar. Deshalb gibt es nun die Möglichkeit, das Sammelzeug in verschiedene Materialen zu zerlegen, mit denen ihr euch anschließend beim Schmied neue Troll-Ausrüstung basteln könnt. Auch schaltet ihr für jeden Helden regelmäßig neue Talente frei, die verschiedene Spielweisen begünstigen. So könnt ihr eure vier Trolle beispielsweise zu effektiven Nah- oder Fernkämpfern, Naturmagiern, Unterstützern oder verschiedenen Mischklassen hochzüchten.

 

Gleichzeitig dürft ihr aber auch euren Stamm weiterentwickeln: In eurem Basislager gibt es zahlreiche Upgrades, mit denen ihr beispielsweise die Ressourcenkosten für Einheiten senken oder die Sammelrate eines Rohstoffgebäudes erhöhen könnt. Das System ist zwar denkbar langweilig präsentiert, sorgt aber zumindest dafür, dass man bis zum Schluss ordentlich beschäftigt ist.

Wo steht Spellforces 3?

Ein netter Bonus: Auf Wunsch habt ihr auch wieder die Möglichkeit, die komplette Story-Kampagne im Koop zu spielen. Und wer sich stattdessen lieber mit der KI oder anderen Spielern misst, hat dafür nun mehrere Optionen: Mit dem Release von Fallen God wurde auch zeitgleich eine neue Spielvariante namens Spellforce 3: Versus veröffentlicht. Dahinter verbirgt sich eine reine Mehrspieler-Auskopplung auf Free2Play-Basis. Ihr könnt das kostenlose Spiel einfach herunterladen, beim ersten Spielstart wird euch dann automatisch eine von drei Fraktionen (Mensch, Orks oder Elfen) zugewiesen – und zwar dauerhaft, ihr könnt die Seite danach nicht mehr wechseln. So könnt ihr bereits gegen die KI spielen und auch am Ranglistenmultiplayer teilnehmen, in dem ihr gegen andere Spellforce-3-Spieler antretet. Wollt ihr Zugriff auf die drei restlichen Völker (Dunkelelfen, Zwerge und Trolle) haben, könnt ihr für 15 Euro das Full PvP Upgrade kaufen, dadurch stehen euch alle Mehrspielerinhalte inklusive aller sechs Rassen offen. Weitere Mikrotransaktionen, versteckte Kosten oder Werbung gibt es laut THQ Nordic übrigens nicht.

Alternativ könnt ihr euch natürlich auch für eines der drei Hauptspiele entscheiden: Das Basisspiel Spellforce 3 von 2017, die Fortsetzung Soul Harvest von 2019 oder das frisch veröffentlichte Fallen God, mit denen ihr Zugriff auf die jeweiligen Völker im Multiplayer und auf die drei Singleplayer-Kampagnen bekommt.

Fazit

Nach dem runden Soul Harvest hatte ich gehofft, dass sich die Entwickler auch mit Fallen God nochmal so deutlich steigern können. Das ist leider nicht der Fall: Ich habe die 20 Stunden lange Kampagne zwar gerne durchgespielt, doch echte Begeisterung kam dabei nicht auf. Gerade im Strategie-Part hätte ich mir mehr Tiefgang erhofft, hier bringt die Troll-Fraktion leider kaum neue Impulse. Als Genre-Mix mit stärkerem RPG-Einschlag macht Fallen God aber trotzdem wieder eine gute Figur, was vor allem der ungewöhnlichen Heldentruppe und den abwechslungsreichen, wunderschönen Maps zu verdanken ist. Für meinen Geschmack geht allerdings zu viel Spielzeit für die langatmigen Dialoge drauf, hier wäre weniger mehr gewesen. Wer aber schon die beiden Vorgängerspiele mochte, dürfte sich daran wohl kaum stören. Ihr habt Spellforce 3 gerne gespielt? Dann könnt ihr auch hier bedenkenlos zuschlagen – (jetzt bei Amazon bestellen und morgen spielen) die 36 Euro ist Fallen God allemal wert.



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