Total War – Three Kingdoms

Total War Klassiker Games
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Zusammenfassung: Im April ist es so weit, der Release von Total War: Three Kingdoms. Wir konnten jetzt zum ersten Mal den Kampagnenmodus ausprobieren. In unserer Preview verraten wir euch, was sich im Vergleich zu den anderen historischen Ablegern der Reihe getan hat und ob wir schon jetzt rundum begeistert sind.

Inhaltsverzeichnis

Eintauchen in das alte Kaiserreich China´s

Die lange und bewegte Geschichte Chinas mag in unseren Gefilden nicht gerade populär sein, geschweige denn zur europäischen Allgemeinbildung gehören.

Wer sich aber mal ein wenig in die Materie hineinarbeitet, dem dürfte bereits nach kurzer Zeit auffallen, wie unglaublich facettenreich und vor allem dramatisch alleine die Bildung des neuen Kaiserreichs nach dem Zerfall der Han-Dynastie im zweiten Jahrhundert vonstattenging. Fast wie in griechischen Mythen geht es da unter anderem um Verrat, den gerechten Kampf mutiger Helden gegen einen blutrünstigen Tyrannen und die vielen Opfer, die Familien in dem langen und grausamen Bürgerkrieg aufbringen mussten. Total War: Three Kingdoms , der nächste historische Ableger der renommierten Strategiespielreihe, hat das hehre Ziel, uns genau jene Zeit virtuell näherzubringen. Wie man es von dem Entwickler Creative Assembly kennt, scheut das Studio keine Mühen, um die Epoche historisch akkurat auf den Bildschirm zu zaubern. Dafür haben die Briten etwa den australischen Sinologen Rafe de Crespigny engagiert, der bei westlichen Historikern seit über 50 Jahren als eine Koryphäe für die Zeit der Drei Reiche (208-280 n. Chr.) gilt und etwa Pionierarbeit in der Herausgabe und Übersetzung der Quellen jener Ära geleistet hat.

PC Games - Total War: Three Kingdoms

Dabei könnte man aber da­rüber diskutieren, ob Three Kingdoms tatsächlich ein rein historischer Ableger der Total War-Reihe ist. Creative Assembly hat sich dieses Mal nämlich entschieden, uns gleich zwei unterschiedliche Spielmodi zu servieren. In der sogenannten Romance-Variante erleben wir die Epoche nach dem Roman Die Geschichte der Drei Reiche des chinesischen Autors Luo Guanzhong, der sein Werk allerdings rund 1.000 Jahre nach den turbulenten Ereignissen verfasst hat. Das Buch zählt zwar zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur, wird heute aber eher als ein Abenteuer-Epos denn eine historische Quelle angesehen, da die Erzählung mehr Wert auf das Prinzip der Gerechtigkeit und Freundestreue als auf die korrekte Wiedergabe der geschichtlichen Ereignisse legt. Im Spiel bedeutet das zudem, dass wir – ähnlich wie in Total War: Warhammer – mit unseren fast unsterblichen Helden und ihren Spezialfähigkeiten ganze Schlachten zu unseren Gunsten entscheiden können. Wem das missfällt, der kann die historische Variante wählen und so die Zeit der Drei Reiche ganz ohne Superhelden und andere epische Zutaten erleben. In beiden Varianten stehen uns aber historisch korrekte Einheiten zur Verfügung, ebenso ist die riesige Karte Chinas zu Beginn des Spiels so unter den vielen Warlords aufgeteilt, wie man sie aus Geschichtsbüchern kennt.

Erster Blick in Total War – Three Kingdoms

Wir hatten nun die Möglichkeit, bei einem Vorschau-Event in London zum ersten Mal die Kampagne von Total War: Three Kingdoms zu spielen. Man könnte aber eher von Hineinschnuppern sprechen, denn wer die Reihe kennt und schätzt, weiß, dass man nach rund drei Stunden gerade erst anfängt, mit dem durchaus komplexen Inter­face, den vielen neuen Spielregeln sowie Features klarzukommen und ihre Tragweite zu erahnen. Auf dem Event hatten wir auch nicht die Wahl zwischen insgesamt elf komplett unterschiedlichen Warlords, wie es der Fall in der fertigen Version sein wird, sondern wir durften uns lediglich mit Liu Bei zum unangefochtenen Herrscher des Reichs der Mitte aufschwingen – oder jedenfalls die ersten Schritte in diese Richtung tun.

Total War: Three Kingdoms - Erstürmung einer Festung

Liu Bei ist unserer Meinung nach auch einer der interessantesten Warlords von Three Kingdoms. Im Gegensatz zu den anderen Fraktionen fangen wir nämlich ganz ohne eine eigene Provinz an, verfügen dafür aber zu Beginn über die stärkste Streitmacht auf der Kampagnenkarte. Das hat mit dem Umstand zu tun, dass zwar der berühmte Kaiser Jing (188-141 v. Chr.) der Han-Dynastie zu Liu Beis Vorfahren zählt, er aber in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Er ist wegen seines ehrlichen Charakters und seines blauen Blutes aber unter dem Volk sehr beliebt und so kämpfen einfache Miliz-Einheiten ganz ohne Sold in seiner Armee. Trotzdem ist die Ausgangslage für Liu Bei mehr als herausfordernd, denn die aufständischen Gelben Turbane ziehen durch die Ländereien seiner Vorfahren und verfügen über mehrere schlagkräftige Armeen. Zu Beginn dürfen wir hingegen nur über eine einzige Streitmacht verfügen. Nur durch geschickte Führung und sparsamen Umgang mit unseren Soldaten können wir uns gegen die Rebellen stellen und so mit der Zeit einige Städte für unser aufstrebendes Reich einnehmen.

Video Trailer

Diplomatie ist eine hohe Kunst

Schon bei den Siedlungen macht sich eine Neuerung von Total War: Three Kingdoms bemerkbar: Anstatt wie in Rome 2 (hier geht's zu unserem Test) oder Attila sind die Ländereien noch strikter nach Typen aufgeteilt. Ein Fischerdorf oder eine Farm ist zum Beispiel für nötige Nahrung zuständig, kann aber nur durch Gebäude verbessert werden, die der Ressourcengewinnung dienen. Das Gleiche gilt für Minensiedlungen, die Rohstoffe für den Handel abbauen. Eine Hafenstadt wie in Total War: Attila, die neben einfachen Kriegsschiffen zusätzlich der Fischerei dient, gibt es indes nicht. Kleine und große Städte, an die diese Ressourcen-Siedlungen angeschlossen sind, können wiederum zu Festungen ausgebaut werden, sie werden aber selbst nie Nahrung oder andere Ressourcen herstellen. Wenn man nun nur die Hauptstadt einer Provinz sein Eigen nennt und die anderen Ländereien jemand anderem gehören, werden dementsprechend keinerlei Ressourcen hergestellt. Genau das stellte auch eine Herausforderung für uns auf dem Vorschau-Event dar, als wir nach einer gewonnenen Belagerungsschlacht unser erstes Dorf einnahmen. Plötzlich herrscht eine Nahrungsmittelknappheit in unserem Reich und so verloren wir jede Runde eine stattliche Anzahl an Soldaten.

Spielkarte Three Kingdoms

Doch dank des ebenfalls komplett überarbeiteten Diplomatiesystems finden wir schnell eine Lösung für unser Dilemma: In Three Kingdoms können wir nämlich nicht nur Bündnisse schließen oder Kriege erklären, sondern auch Handelsverträge für bestimmte Ressourcen abschließen. So können wir mit einem benachbarten Warlord eine zwar ziemlich teure, aber eben auch lebensrettende Übereinkunft abschließen, die uns für die nächsten zehn Runden die benötigten Vorräte liefert. Teuer ist der Vertrag deshalb, weil das neue Diplomatiesystem genau beachtet, mit wie viel Zugeständnissen sich der Partner zufriedengibt. Da wir noch keine große Reputation und zudem wenig Kontakt mit dem Warlord gehabt hatten, müssen wir nicht nur eine hohe Summe auf einen Schlag zahlen, sondern obendrein noch jede Runde ein kleines Vermögen für die bitter benötigten Vorräte ausgeben.

Rot und Blau – Die Farben deiner Truppen

Das hat sich am Ende für uns aber ausgezahlt. Mit den Einkünften des Dorfes stehen uns für jede Runde so viel Geld zur Verfügung, dass wir auch frische Truppen anheuern können. Aber auch hier hat sich in Total War: Three Kingdoms etwas getan. Die Armeen haben im neuen Teil bis zu drei Anführer, die jeweils ihr eigenes Kontingent in die Schlacht führen. Dabei haben die Charaktere unterschiedliche Stärken. Ein sogenannter blauer Wasser-Element-General gibt Fernkampfeinheiten Boni, ein roter Feuer-Element-Anführer stärkt hingegen die Sturmkavallerie. Wenn wir also eine große, schlagkräftige Armee aufbauen möchten, müssen wir dafür auch unterschiedliche, aber eben auch teure Heldencharaktere leisten. Zum Glück startet Liu Bei gleich mit einer Streitkraft, die neben ihm zwei starke Anführer sein Eigen nennt und so eine Armee mit Bogenschützen, Speerkämpfern und Kavallerie bestens ausstatten kann. Zum Verhängnis können große Armeen trotzdem werden, wenn etwa einer der Charaktere abtrünnig wird. Dann verlässt nicht nur er unsere Streitmacht, sondern er nimmt obendrein sein Truppenkontingent mit.

Da unsere Helden sich aber gut miteinander verstehen und Liu Bei ein durchaus charismatischer Oberbefehlshaber ist, passiert uns das zum Glück nicht. Ebenso kommt uns zugute, dass unsere Anführer sich kennen und schätzen. Wenn man aber fremde Charaktere in einer Armee hat, kann es passieren, dass sie sich streiten und einer der beiden wutentbrannt unser Lager verlässt. Aber trotz unserer riesigen und loyalen Streitmacht können wir unsere Feinde nicht einfach so überrollen, obwohl keine einzige Armee unseren Truppen gefährlich werden kann. Das liegt daran, dass die Streitmächte nun Vorräte mit sich führen. Wenn wir uns im eigenen Gebiet befinden und ein Nahrungsmittelüberschuss herrscht, bauen die Armeen ihre Vorräte auf, und sobald sie im Feindesland sind, werden sie verbraucht. Falls es dazu kommt, dass keine Nahrungsmittel mehr übrig sind, fällt nicht nur die Moral der Truppen, sondern ebenso schnell desertieren unsere Soldaten. So kann schnell aus einer riesigen Streitmacht eine kleine Kompanie werden, die zu nichts zu gebrauchen ist. Die Lösung besteht darin, dass man stets die Siedlungen des Gegners übernimmt, was aber vor allem bei befestigten Städten eine Weile dauern kann. In der von uns gespielten Version standen uns keine Katapulte oder andere mobile Belagerungsgeräte zur Verfügung und so mussten wir mühselig Rammböcke vor einer solchen Schlacht bauen, was eben seine Zeit erfordert.

eindrucksvolle Kulisse - Total War: Three Kingdoms

Terra Incognita

Wie sehr diese Spielmechanik eine Kampagne in die Länge ziehen kann, können wir aktuell nur mutmaßen. Anhand eines Blicks auf die riesige Karte Chinas gehen wir aber davon aus, dass man für das Abschließen deutlich länger brauchen wird als etwa noch in Total War: Attila. Uns würde das aber nicht wirklich stören, denn der Ersteindruck des Einzelspielermodus fällt durchweg positiv aus. Natürlich braucht man eine Weile, bis man sich mit den vielen chinesischen Warlords (und ihren ungewöhnlichen Namen) sowie ihren Eigentümlichkeiten vertraut macht und sich mit den – jedenfalls für uns – zum Teil gänzlich unbekannten Provinzen und Städten auskennt. Das ist aber bei einem so vielversprechenden Spiel eine He­rausforderung, die wir gerne auf uns nehmen! Denn insgesamt scheint Three Kingdoms die spielerischen Stärken der Warhammer-Ableger zu übernehmen und uns so eine Kampagnenspielmechanik zu bieten, die unglaublich viel Abwechslung in petto hat. Über die Echtzeitschlachten haben wir uns ja schon zuvor geäußert und brauchen an dieser Stelle nicht mehr viel zu sagen, als dass sie einfach grandios aussehen und wegen der heldenhaften Anführer und ihrer Spezialkräfte ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit Total War: Warhammer an den Tag legen. Wer also Lust hat, sich mit der chinesischen Geschichte zu beschäftigen, und die spielerischen Neuerungen der Fantasy-Ableger begrüßt, sollte für den März schon mal Urlaub ­nehmen!

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